Beim 𝗟𝗘𝗢𝗡 Kongress des Hessischen Wirtschaftsministeriums ging es heute darum, wie sich Unternehmen zukunftsfest aufstellen können. Resilienz, Souveränität, Diversifikation, Unabhängigkeit waren die zentralen Stichworte. Für mich als Board Advisor auf der Schnittstelle von Recht, Finanzen und Technologie eine gute Gelegenheit zum Austausch mit folgenden Erkenntnissen aus verschiedenen Vorträgen und Workshops:
𝗥𝗲𝘀𝗶𝗹𝗶𝗲𝗻𝘇 𝗶𝗻 𝗱𝗲𝗿 𝗟𝗶𝗲𝗳𝗲𝗿𝗸𝗲𝘁𝘁𝗲: lässt sich erreichen durch Multiple Sourcing, einen großen und stabilen Stamm an Lieferanten, mit denen langfristige und lokale Beziehungen gepflegt werden.
𝗥𝗲𝘀𝗶𝗹𝗶𝗲𝗻𝘇 𝗱𝘂𝗿𝗰𝗵 𝗜𝗻𝗻𝗼𝘃𝗮𝘁𝗶𝗼𝗻: man konkurriert nicht primär über Preise, sondern über Know-how. Dies erfordert Investitionen, eigene technologische Kompetenz und Fertigungstiefe.
𝗥𝗲𝘀𝗶𝗹𝗶𝗲𝗻𝘇 𝗱𝘂𝗿𝗰𝗵 𝗣𝗿𝗼𝗱𝘂𝗸𝘁𝗽𝗼𝗿𝘁𝗳𝗼𝗹𝗶𝗼: breite Aufstellung zwecks Risikostreuung statt Konzentration auf Nischen. Zugleich Spezialisierungsfähigkeit in einzelnen Produkten.
𝗥𝗲𝘀𝗶𝗹𝗶𝗲𝗻𝘇 𝗱𝘂𝗿𝗰𝗵 𝗨𝗻𝘁𝗲𝗿𝗻𝗲𝗵𝗺𝗲𝗻𝘀𝗳ü𝗵𝗿𝘂𝗻𝗴: dezentrale Steuerung für schnelle Entscheidungen und flexible Anpassung an Kundenbedarfe.
Ein leuchtendes Beispiel hierfür ist der hessische Technologiekonzern Schunk Group, wie dessen CEO Peter R. Manolopoulos im Casals Forum Kronberg anhand der vier Punkte überzeugend schilderte.
𝗗𝗶𝗴𝗶𝘁𝗮𝗹𝗲 𝗦𝗼𝘂𝘃𝗲𝗿ä𝗻𝗶𝘁ä𝘁: bedeutet auch, technologische Abhängigkeiten zu reduzieren – etwa durch europäische Cloud-Infrastrukturen und Open Source Lösungen (genannt wurden für Betriebssysteme: Linux-Distributoren; für Office & Kollaboration: z.B. NextCloud als europäische Alternative zu MS365; für Datenbanken: z.B. PostgreSQL, MariaDB; für Public Cloud: z.B. IONOS, StackIT).
Angesichts der geopolitischen Entwicklungen und der sich gleichzeitig vollziehenden Transformationen in punkto Globalisierung, Technologie und Gesellschaft wird es für Unternehmen strategisch bedeutsam, sich in jeder Hinsicht unabhängiger zu machen. Das erfordert Mut – zu Investitionen, zur Veränderung des Geschäftsmodells, zum Risiko eines Fehlschlags.
Genau dies erlebe ich täglich in der Beratung von Unternehmern, Managern und Aufsichtsräten. Rechtlich gesehen gibt es keinen Grund zu zauderhaftem Verhalten: 𝗪𝗲𝗿 𝗸𝗮𝗹𝗸𝘂𝗹𝗶𝗲𝗿𝗯𝗮𝗿𝗲 𝗥𝗶𝘀𝗶𝗸𝗲𝗻 𝗲𝗶𝗻𝗴𝗲𝗵𝘁, 𝗶𝗻𝗳𝗼𝗿𝗺𝗶𝗲𝗿𝘁𝗲 𝗘𝗻𝘁𝘀𝗰𝗵𝗲𝗶𝗱𝘂𝗻𝗴𝗲𝗻 𝘁𝗿𝗶𝗳𝗳𝘁 𝘂𝗻𝗱 𝗱𝗶𝗲𝘀 𝗱𝗼𝗸𝘂𝗺𝗲𝗻𝘁𝗶𝗲𝗿𝘁, 𝗸𝗮𝗻𝗻 𝘀𝗶𝗰𝗵 𝗮𝘂𝗰𝗵 𝗶𝗺 𝗙𝗮𝗹𝗹 𝗲𝗶𝗻𝗲𝘀 𝗙𝗲𝗵𝗹𝘀𝗰𝗵𝗹𝗮𝗴𝘀 𝗲𝘅𝗸𝘂𝗹𝗽𝗶𝗲𝗿𝗲𝗻.
Strategische Unabhängigkeit ist kein Selbstzweck. Sie wird zur Voraussetzung unternehmerischer Handlungsfähigkeit.
